Erfahrungsbericht

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Als meine Lebensgefährtin sich mit ihrer Tochter zu einem Wellnesswochenende entschloss, stand für mich fest, da fahre ich für drei Tage nach Dresden.

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Gäste aus dem Atelier

Erfahrungsbericht von Nadine

Schon lange habe ich davon geträumt, einmal eine längere Zeit als Frau zu verbringen. Beim stöbern im Internet bin ich dann auf das tolle Atelier Changeable gestoßen und im Frühjahr 2015 habe ich dann die Gelegenheit ergriffen und einen kurzen Urlaub als Frau in Dresden gemacht!

1. Tag: New Lady in Town

Am einem sonnigen Donnerstag im Mai bin ich nach Dresden gefahren, wo ich unter der Obhut von Hannelore und Katrin vom Atelier Changeable, die einen Service für Transgender Personen anbieten, diese schöne Stadt kennen lernen und ein paar Tage ganz "en-femme" verbringen durfte! Eines darf ich schon vorweg nehmen: Es waren traumhafte Tage, die meine Erwartungen sogar noch deutlich übertroffen haben!

Nach einigen Stunden Fahrt war ich um 13h im Atelier, wo mich Hannelore sehr herzlich begrüßte und erst einmal mit einer Tasse Kaffee stärkte. Dann ging es an verwandeln. Ich habe mich für eine weiße Bluse, einen blauen Rock mit Paisley Muster, einen beigen Blazer und ein buntes Halstuch entschieden. Dazu eine dünne, hautfarbene Strumpfhose, schwarze, bequeme Pumps und eine Kelly-Bag von Forever 21. An diesem Tag war mir einfach nach damenhaft und feminin ... ;-)

Fachkundig schminkt mich Hannelore dezent und dann machen wir uns schon wieder auf den Weg. Als erstes wollte ich mein Quartier beziehen, das auf der anderen Seite der Stadt liegt. Wir fahren also mit zwei Autos zur Pension "Märchenbrunnen", wo mir die Gastgeberin, die sympathische Tina, mein Zimmer für die kommenden Tage zeigt. Sehr nett und gemütlich und vor allem mit einem großen, modernen Badezimmer versehen, sehr wichtig!
Tina macht mir ein schönes Kompliment, da sie meinte, ich sehe sehr schick aus. Das Kompliment wird später noch viel wertvoller, weil sie es auch Hannelore sagte, als ich nicht dabei war :-))

Nun fahren wir in die schöne Dresdner Altstadt. Nicht weit vom weltberühmten Zwinger finden wir einen Parkplatz und von dort stöckeln wir - pardon, zumindest ich - über das Kronentor in den Hof dieses Meisterwerks des Barocks. Es ist wieder wunderschön, den Wind an den zart bestrumpften Beinen zu spüren ... Im Hof sind natürlich jede Menge Touristen und ich bin nicht die einzige, die für ein paar Fotos posiert. Natürlich bin ich, wie an den kommenden Tagen auch, etwas overdressed. Aber wen stört das schon?

Punkt 17h spielt das Glockenspiel seine Melodie und wir spazieren über das Nymphenbad und der geschwungenen Treppe auf das Wallplateau, auf dem wir um den ganzen Zwinger marschieren. Dann geht es weiter zur nicht minder berühmten Semperoper. Leider geht sich diesmal kein Opernbesuch aus. Vorbei an der Hofkirche zur Brühlschen Terrasse, von der frau einen herrlichen Blick auf die Elbe hat. Dort "wurrlt" es vor Menschen, aber die Atmosphäre ist so wunderbar wie das Wetter.

Über die kleine überfüllte Münzgasse kommen wir zur Frauenkirche, die erst vor wenigen Jahren wieder hergestellt wurde. Wir verharren ein paar Minuten in diesem barocken Prachtbau, bevor wir über die Augustusstraße mit dem Fürstenzug und dann vorbei an den gerade in Renovierung befindlichen Kulturpalast weiterflanieren. Schön langsam macht sich ein wenig Hunger breit und Hannelore schlägt vor, dass wir in die Dresdner Trödelschänke gehen. Dort ist es sehr gemütlich und wir werden von der Kellnerin mit einem "Hallo Mädels" begrüßt;-)) Sie ist überhaupt sehr nett. Als sie die Getränke bringt, fragt sie mich, ob ich eh eine Weißweinschorle (für die ÖsterreicherInnen: ein weißer G´spritzter) bestellt hätte. Zu Erklärung meinte sie: "Ich war jetzt an der Theke und dachte, was hat sie bestellt?" Also zumindest von ihr bin ich ohne mit der Wimper zu zucken in die weibliche Welt aufgenommen worden. Das Essen war auch in Ordnung und die anderen Gäste haben offenbar auch keine besondere Notiz von der nicht ganz echten Frau genommen.

Im letzten Büchsenlicht sind wir danach wieder zum Auto. Es war nun doch schon etwas kühler und frau hätte eine Jacke vertragen. Hannelore bringt mich in meinen Märchenbrunnen, wo ich nach dem langen Tag meine Sachen auspackte, mich abschminkte, mir ein Nachthemdchen überstreifte und dann zwar erschöpft, aber sehr glücklich in das flauschige Bett sank.

2. Tag: Burgfräulein und Schlossmamsell

Die senile Bettflucht hat mich schon sehr früh aus den Federn getrieben. Macht auch nichts, habe ich wenigstens genug Zeit, um mich auf den Tag vorzubereiten ... Duschen, Cremen, Anziehen ... tja, was soll ich denn heute anziehen? Geplant ist ein Ausflug zur Festung Königstein und nach Schloss Pillnitz. Am Passendsten finde ich ein blaues, geblümtes Kleid mit einem kurzen, weißen Strickjäckchen.

Da mich Katrin nach dem Frühstück schminken würde, genieße ich Tina´s opulentes Frühstück schon im Kleid und mit Perücke, aber noch ungeschminkt. Kurz nachdem Katrin gekommen ist und mich so hübsch wie möglich zurecht gemacht hat, sausen wir los. Nach rund einer halben Stunde sind wir bei der Festung Königstein und parken uns in dem großen Parkhaus ein. Auf die auf einem Hügel gelegene Burg hätte es einen Shuttlezug gegeben, aber angesichts des herrlichen Wetters entscheiden wir uns, wie ein Großteil der zahlreichen Besucher, den Fußweg bis zum Panoramalift zu nehmen. Schnell wird mir klar, dass ich die einzige im Kleidchen und mit Pumps bin ... kann ich überhaupt nicht verstehen ;-) Für den lächerlichen Kilometer und 100 Höhenmeter tragen die anderen Touristen doch glatt Bergschuhe oder zumindest Sneaker!

Nach zehn Minuten sind wir bei der Talstation des Liftes. Schnell die Tickets gekauft und ein freundlicher Liftführer bringt uns rasch auf die Festung. Was für ein herrlicher Anblick von hier oben auf das traumhaft schöne Elbtal! Wir flanieren entlang des insgesamt 2,2 km langen (!) Festungswalls, wobei wir uns bei einigen Engstellen schlank machen müssen, um die entgegen kommenden Leute passieren zu lassen. Natürlich schießt Katrin viele Fotos von mir und dem traumhaften Panorama. Ich fühle mich jedenfalls wie ein Burgfräulein und schwöre, dass ich wirklich die einzige im Kleid war;-)

Natürlich besuchen wir die interessante Ausstellung "In Lapide Regis", welche in 33 (!) Räumen über die Geschichte von Königstein berichtet. Wir lassen auch das Brunnenhaus mit dem 152 m tiefen Brunnen nicht aus, den Kurfürst August im 16. Jahrhundert errichten ließ. Dort ist zwar gerade eine Führung und das Brunnenhaus ist gerammelt voll, aber mit ein klein wenig Geduld bekommen auch wir den beeindruckenden Brunnen zu sehen. Trotz meines Aufzugs errege ich keine besondere Aufmerksamkeit. Nicht einmal die vielen Kinder machen eine Bemerkung. Nun haben wir genug gesehen und lassen uns wieder mit dem Lift nach unten bringen. Katrin fragt mich, ob wir den Weg zur Garage zu Fuß oder mit dem Shuttlezug machen wollen, aber als mittelalterliche Heldin verweigere ich natürlich jegliche maschinelle Erleichterung. So stöckle ich den Weg wieder hinunter, was vielleicht nicht die weiseste Entscheidung an diesem Tag war. Spätestens als wir im Auto sitzen, wird mir klar, warum nicht alle Frauen die größten Fans von Stöckelschuhen bei Bergwanderungen sind ...

Nun fahren wir nach Schloss Pillnitz, einem bezaubernden Palais an der Elbe, welches in seiner heutigen barocken Form von August dem Starken stammt. Da mir ein wenig der Magen knurrt, schlage ich vor, hier eine Kleinigkeit zu essen. Die Massenausspeisung mit Selbstbedienung neben dem Parkplatz sagt mir und meinen malträtierten Füßen nicht so zu und so entscheiden wir uns für die elegante gehobene Schlossterrasse, wie es einer Schlossmamsell wie mir doch wohl auch gebührt, meint ihr nicht auch? Bei dem Herren eines älteren Ehepaares am Nachbartisch bin ich mir nicht im Klaren, ob er nur meine Beine bewundert oder vielleicht doch etwas mitbekommen hat ... macht auch nichts! Die Kellnerin ist jedenfalls sehr nett und aufmerksam und lässt sich nichts anmerken. Wir genießen also das leckere Essen und vor allem das Sitzen in diesem schönen Ambiente. Danach machen wir noch einen ausführlichen Spaziergang durch den herrlichen Schlosspark. Wir bewundern die prachtvolle Vegetation und Europas älteste Kamelie aus dem 18. Jahrhundert. Gemütlich verweilen wir einige Minuten auf einer Parkbank im Lustgarten und diskutieren, ob Schloss Pillnitz für den Fall eines massiven Lottojackpotgewinnes nicht doch das richtige neue Heim wäre. Natürlich schauen wir auch zur Freitreppe an die Elbe und beobachten von dort die putzigen Schaufelraddampfer.

Schön langsam macht sich eine gewisse Erschöpfung breit und Katrin bringt mich wieder in meinen "Märchenbrunnen", wo ich mich vor dem Abendessen ein wenig ausruhen kann.

2. Abend: Griechischer Wein

Frisch ausgeruht nach einem kleinen Nachmittagsnickerchen richte ich mich fürs Abendessen her. Natürlich wollte ich ein klein wenig schick sein, aber auch nicht übertrieben auftreten. Schließlich habe ich ein schwarzes ärmellosen Etuikleid mit einem breiten Gürtel und einen weißen Strick-Cardigan angezogen. Schwarze Peeptoes und ein schwarzes Täschchen mit silberner Schnalle sowie eine silberne Halskette, Armreif und Uhr komplettieren den Look.

Pünktlich um 19h30 holt mich Hannelore ab. Wir entscheiden uns für ein griechisches Lokal, das nicht allzu weit vom "Märchenbrunnen" entfernt ist. Das "Poseidon II" ist gut besucht und der Patrone fragt uns, ob wir im Freien sitzen wollen. Wir setzen uns auf die recht gemütliche Terrasse, unterhalten uns gut und genießen das Essen. Der griechische Kellner ist sehr freundlich und auch die anderen Gäste scheinen keine besondere Notiz von mir zu nehmen. Ich fühle mich sowohl in meinem Outfit als auch in der Atmosphäre sehr wohl. Nach dem Essen bringt mich Hannelore wieder zu meinem Quartier, wo ich den Abend nach einem langen, ereignisreichen Tag in Ruhe ausklingen lasse.

3. Tag: Shopping Queen meets Alte Meister

Neuer Tag - Neues Glück :-) Es ist Samstag und damit Shopping angesagt! Was soll ich bloß anziehen? Bei dieser Frage bin ich schon eine fast perfekte Frau. Aber schließlich finde ich doch ein Outfit, das mir für den heutigen Tag ideal scheint. Weißes, ärmelloses Top, ein blau-weiß gemusterter Minirock, den breiten Gürtel von gestern und darüber ein schwarzer Cardigan. Dazu meine bequemen Pumps, die leider nach der gestrigen Tortur gar nicht mehr so bequem sind. Aber, was soll´s? Schönheit muss leiden!

Ich genieße wieder das herrliche Frühstück mit einem Aufstrich aus Kräutern vom Garten und hausgemachten Marmeladen, Katrin kommt und schminkt mich und schon sausen wir in die Stadt. Als erstes in die Altstadtgalerien, wo wir Hannelore treffen. Ab nun geht es mit ihr weiter. Da ich ein paar hochwertigere Strumpfhosen kaufen will, gehen wir auf Katrins Rat zuerst zu Karstadt. Dort ist die Strumpfabteilung wirklich atemberaubend! Als erstes durchstöbern wir die Wolford und Falke Abteilungen, aber Hannelore lässt es nicht zu, dass ich mein sauer verdientes Geld in Luxusstrumpfhosen investiere und schiebt mich gezielt zum Kunert-Ausverkaufsstand. Die sehen auch nicht schlecht aus und kosten nur ein Fünftel ... Natürlich hat uns eine Verkäuferin ausgemacht und schnell in eine Strumpfhosendiskussion verwickelt. Ich liebe Strumpfhosengespräche! Sie rät auch zu Kunert und angesichts der geballten Kompetenz der beiden Damen kaufe ich zwei Strumpfhosen dieser ja auch renommierten Marke.

Dann schlendern wir noch durch die Damenmodeabteilung im ersten Stock und ich würde mir schon ein paar Kleider finden. Hannelore bremst mich wieder ein wenig und schlägt vor, dass wir auch noch zu C & A schauen. Ich bin zwar ein wenig skeptisch, lasse mich aber überreden, auch dieses Kaufhaus zu beehren. Über den bevölkerten Ring, wo wir am Rand noch einige Fotos machen, gehen wir also zum C & A und durchstöbern die Regale. Und siehe da, uns springen zwei Röcke und ein Kleid ins Auge. Also ab in die Umkleidekabinen. Ich probiere zuerst die beiden Röcke. Der geblümte Rock gefällt mir an mir gar nicht, der andere, ein beiger knielanger Stiftrock wäre nicht so schlecht. Aber da ich einen ähnlichen schon habe, lasse ich ihn. Nun probiere ich das Kleid. Es ist schwarz-weiß geblümt, aus einem ganz leichten Viskosestoff und sieht auch angezogen ganz süß aus ... dazu probiere ich drei verschiedene Boleros und wir sind uns einig. Die Kombination mit einem schwarzen Bolero sieht sehr schick aus und passt mir recht gut, also, gekauft!

Dann finden wir noch ein hellblaues Tuch und stöbern bei den Bh´s. Ich nehme noch einen schlichten weißen Push-up BH und dann reicht es mit dem Shoppen. Jetzt haben wir uns eine Stärkung verdient und mit leicht schmerzenden Füßen gehen wir in ein Cafe, um eine Kleinigkeit zu essen. Wir können im Freien sitzen und werden wieder sehr freundlich bedient. Leider bläst der Wind recht stark, sodass ich mich ein wenig um meine Frisur sorge ... Neben uns nimmt ein Pärchen mit einem riesengroßen Hund platz und plaudert immer wieder ein klein wenig mit uns. Dem Dialekt nach sind sie eindeutig Wiener, was für ein Zufall. Ich kann mir vorstellen, dass sie etwas gemerkt haben, aber sie haben sich jedenfalls nichts anmerken lassen. Sehr nett!

Damit ich aber nicht ganz zur Shopping-Tussi verkomme, ist am Nachmittag Kultur angesagt. Natürlich gehört zu einem Dresdenaufenthalt auch der Besuch der weltberühmten Gemäldegalerie Alte Meister. Wir flanieren also zum Zwinger, schießen im Hof noch ein paar Bilder und widmen uns dann ganz dem Kunstgenuss. Es macht wirklich viel Spaß, im kurzen Rockerl vor den Bildern Raffaels, Tizians, Giorgiones, Dürers usw. zu stehen und diese Meisterwerke zu bewundern.

Schließlich macht Hannelore noch eine Sightseeing Rundfahrt entlang der Elbe mit mir, ehe sie mich wieder zu meiner Pension bringt, wo ich mich vor dem Abendessen wieder ein wenig erhole.

3. Abend: Bella Italia

Für das Abendessen an diesem dritten Tag musste es einfach das neue Kleid sein! An einem Samstag-Abend darf sich (fast-)frau doch ein wenig aufbrezeln, meint Ihr nicht auch? Über dem Kleid trage ich das neue Bolero-Jäckchen. Dazu die Peeptoes, nude Strumpfhose, das schwarze Abendtäschchen vom Vortag, und für die Nach nehme ich noch den Trenchcoat mit, da es schon ein wenig kühler wird. Der Schmuck ist wieder in Silber gehalten.

Pünktlich holt mich Hannelore ab. Wir schießen vor dem "Märchenbrunnen" noch ein paar Bilder und fahren dann zum Restaurant. Heute ist bella Italia angesagt, wir gehen zum Italiener. In dem zarten Kleidchen schwebe ich förmlich ins Lokal ... ich fühle mich fast wie eine Göttin ;-))), vor allem, wenn ich mir die anderen Frauen im brechend vollen Restaurant ansehe. Keine einzige hat sich so schick gemacht wie ich;-)) ... oder bin ich vielleicht doch wieder etwas overdressed für einen Vorstadt-Italiener? Was soll´s, mir macht es jedenfalls Spaß.

Meine Nudeln sind recht gut, nur Hannelore ist mit ihrem Carpaccio nicht ganz glücklich - zuviel Zitrone. Die Kellnerinnen und Kellner sind wieder sehr aufmerksam und lassen sich nichts anmerken. Ich habe auch nicht den Eindruck, dass die zahlreichen anderen Gäste besonders schauen. Nur als wir das Lokal verlassen, kommt uns der Patrone von unten die Aufgangstreppe entgegen. Er macht riesengroße Augen, wobei er zuerst auf meine Beine starrt und erst danach den Blick nach oben schwenken lässt. Wir verabschieden uns freundlich und ich gehe leise vor mich hin lächelnd zum Auto ...

Wenn Ihr jetzt noch auf ein spannendes Saturday Night Fever erwartet, muss ich Euch enttäuschen. Da ich ja leider keine Zwanzig mehr bin, machen sich so lange, ereignisreiche Tage bemerkbar;-) Hannelore bringt mich wieder zur Pension zurück und der Rest meines letzten Abends in Dresden wird lesend im Bett verbracht. Und da ich dort niemand beeindrucken muss, trage ich nicht ein sexy Negligee, sondern ein flauschiges Nachthemdchen ...

4. Tag: Alles hat ein Ende …

Nun ist leider der letzte Tag meines Ausflugs angebrochen. Ich habe meinen Koffer schon gepackt, schlemme noch einmal das köstliche Frühstück und Hannelore schminkt mich ein letztes Mal. Der letzte Ausflug führt uns ins Panometer, einem ehemaligen Gasometer, in dem ein monumentales Panoramabild des Künstlers Yadegar Asisi ausgestellt ist. Es zeigt Dresden nach der Bombardierung der Alliierten.

Dafür habe ich mich eher schlicht zurecht gemacht. Rosa Bleistiftrock, weißes Top, schwarze Pumps. Dazu eine Halskette und, da es sehr kühl ist, darüber den Trenchcoat.

Als wir beim Panometer ankommen, trauen wir unseren Augen nicht. Vor dem Eingang steht eine lange Menschenschlange, die Einlass begehrt! Hannelore fragt mich, ob ich mir das wirklich antun möchte, aber nach kurzem Zögern bejahe ich, da mir keine gute Alternative einfällt. Also reihen wir uns in die Massen ein. Obwohl ich den Mantel anhabe, fröstelt mich ein wenig und ich bin froh, dass wir nach ca. 15 Minuten endlich eingelassen werden.
Ich finde es sehr schön, dass ich mittlerweile auch unter solchen Menschenmassen keine Berührungsängste mehr habe. Gott sei Dank verlaufen sich die Besucher in der übrigens sehr berührenden Ausstellung. Trotz des ernsten und traurigen Themas muss ich immer wieder schmunzeln, als ich, an das Geländer des Innenturms gelehnt, mit einem bestrumpften Bein an das anderen reibe und mir so auf angenehme Weise noch einmal meine zumindest oberflächlich weiblichen Attribute ins Bewusstsein rufe;-)

Danach heißt es Abschied nehmen. Von Hannelore, die mich so fürsorglich diese Tage begleitet und betreut hat, von Tina, die mich in ihrer märchenhaften Pension so herzlich aufgenommen hat und von Dresden, das mich mit seiner Schönheit, aber auch Gastfreundschaft und Toleranz verzaubert hat.

Bei der Heimfahrt habe ich genug Zeit, ein Fazit aus meinem ersten Urlaub als Frau zu ziehen:

Die Idee, mehrere Tage komplett als Frau in einer fremden Stadt zu machen, ist voll aufgegangen. Die Anonymität einer fremden Umgebung haben ebenso wie die charmante Begleitung von Hannelore und Katrin dazu beigetragen, dass ich ganz entspannt diese Tage genießen konnte. Ich war niemals nervös und habe viel Selbstvertrauen tanken können. Ein wenig unsicher bin ich noch wegen meines Stils, aber auch hier sammle ich schon langsam Erfahrungen, was zu mir passt und was nicht.

Bis auf die Hin- und Rückfahrt habe keine Hosen angehabt und sie sind mir in keiner Minute abgegangen! :-)) Während des gesamten Aufenthalts habe ich ausschließlich Röcke oder Kleider getragen und mich dabei einfach pudelwohl gefühlt. An den 4 Tagen habe ich 6 verschiedene Outfits ausführen können:-))

Auch wenn ich traurig war, dass diese Tage so schnell vergangen sind, bin ich doch mit einem Hochgefühl nach Hause gefahren und habe mir vorgenommen, eine solche Reise so bald wie möglich zu wiederholen.

Wenn Ihr mehr von meinen Erlebnissen erfahren wollt, schaut doch auf meinen kleinen Blog: http://nadinecd.blogspot.co.at/